Netzwerktreffen der Präventionsbeauftragten am 26.11.2019, 10-16:00 Uhr in der ESSBAY

Präventionspreis von AMYNA: Prävention und Kinderschutz als Qualitätsmerkmal - Wilhelm-Löhe-Schule für umfassendes Schutzkonzept ausgezeichnet

Am 16.05.2019 wurde die Wilhelm-Löhe-Schule mit dem AMYNA-Präventionspreis 2019 ausgezeichnet.

Sie hat umfassende Maßnahmen zur Prävention sexueller Gewalt im Sinne eines Schutzkonzeptes entwickeltund zeigt damit ein hohes Verantwortungsgefühl. Die Wilhelm-Löhe-Schule ist eine evangelische, kooperative Gesamtschule in Nürnberg, die sowohl eine Grund-, Mittel-und Realschule, als auch ein Gymnasium und eine Fachoberschule anbietet.

In der Diskussion der vergangenen Jahre wurde immer wieder deutlich, dass Prävention von sexueller Gewalt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe darstellt. Christine Rudolf-Jilg führt dazu in ihrem Fachvortrag aus:

„Derzeit wird davon ausgegangen, dass in jeder Schulklasse mindestens ein bis zwei Mädchen* und Jungen* sind, die sexuelle Gewalt erlitten haben oder aktuell erleiden. Schule ist daher einer der wichtigsten Orte für gelingenden Kinderschutz. Denn nur dort können nahezu alle Kinder und Jugendlichen erreicht werden. Schulen haben damit bundesweit auch eine ganz besondere Verantwortung.“ Dazu braucht es aber passgenaue Konzepte, wie Christine Rudolf-Jilg weiter erklärt:

„Schule darf nicht zum Tatort werden, sondern muss ein Kompetenzort sein!So lautet das gemeinsame Ziel. (...) Jede Schule muss daher ihren eigenen Weg zu einem passgenauen Schutzkonzept unter Berücksichtigung der jeweiligen Bedingungen vor Ort gehen.“

Das hat die Wilhelm-Löhe-Schule beeindruckend verinnerlicht. Schon in ihrem Leitbild auf der Website positioniert sich die Schule gegen sexualisierte Gewalt. Um das auf allen Ebenen zu vertiefen, müssen bspw. seit 2013 alle Angestellten der Schule einen Verhaltenskodex unterschreiben.

Auch ein Beteiligungs-und Beschwerdekonzept sowie ein gut durchdachtes Vorgehen im Verdachtsfall auf sexuellen Missbrauch und sexuelle Gewalt gehören zum Schutzkonzept. Christine Rudolf-Jilg dazu in ihrer Laudatio: „Insgesamt gesehen hat die WLS damit beeindruckend viele Bausteine für ein schulisches Schutzkonzept entwickelt und implementiert. (...) Die Wilhelm-Löhe-Schule hat sich erfreulich gut aufgestellt und ist für das, was die Zukunft bringen wird, gut gerüstet.“

Die 3000€ Preisgeld, die die Prämierten in Form eines großen Schmuckschecks symbolisch überreicht bekamen, wurden durch eine Crowdfunding-Aktion im Internet gesammelt. Binnen weniger Wochen konnten dort wieder viele Spender und Spenderinnen für eine Unterstützung gewonnen werden. Auch das Thema der Ausschreibung für den nächsten Präventionspreis, der 2020 verliehen wird, steht bereits fest: Gelingende Sexualpädagogik in Kindertagesstätten. Alle Kitas, die ein umfassendes sexualpädagogisches Konzept unter Berücksichtigung aller Beteiligten (Kinder, Eltern, Mitarbeitende) in ihrer Einrichtung verankert haben und dies in ihrem pädagogischen Alltag gelingend umsetzen, können sich um den Preis bewerben bzw. dafür vorgeschlagen werden.

Weitere Infos dazu gibt es auf der Website von AMYNA unter „Präventionspreis“.

Der AMYNA-Präventionspreis versteht sich als öffentliche Anerkennung für gelungene und nachhaltige Präventionsarbeit in Bezug auf sexuellen Missbrauch und wird seit 2005 durch den Verein AMYNA e.V. verliehen.

Im Jahr 2016 hatte die Evangelische Schulstiftung diesen Preis erhalten. Erstmalig wurde am 11.05.2016 mit der Evangelischen Schulstiftung Bayern ein Träger für seinen Krisenleitfaden mit dem AMYNA-Präventionspreis ausgezeichnet. Ein Krisenleitfaden legt fest, wie innerhalb des Trägers zu verfahren ist, sollte der Verdacht auf sexuellen Missbrauch durch Mitarbeitende aufkommen. Er ist damit wichtiger Bestandteil eines Schutzkonzeptes, das alle Einrichtungen haben sollten, wenn dort Kinder und Jugendliche betreut werden.

Fortbildung zur/ zum Präventionsbeauftragten ist im Schuljahr 2018/19 vor allem im Großraum Würzburg sehr gefragt

Der 15-Jährige, der beim Vorbeigehen aus Versehen den Po der Mitschülerin berührt. Die Lehrerin, die Schülern beim Erklären öfter zu nahe kommt. Der Schulleiter, der in der Konferenz oft einen flapsigen Spruch zu den jüngeren Kolleginnen sagt. Alles Grenzverletzungen, die es so nicht geben dürfte, die es aber Tag für Tag an Schulen gibt. Die Evangelische Schulstiftung in Bayern hat daher vor einigen Jahren mit dem Münchner Verein Amyna eine Fortbildung entwickelt, mit der an den Schulen Präventionsbeauftragte qualifiziert und Schutzkonzepte für die jeweilige Einrichtung entwickelt werden sollen. Gerade läuft die zweite Fortbildungsrunde - mit vielen Teilnehmern aus Unterfranken.

Rita Freund-Schindler von der Evangelischen Schulstiftung koordiniert die Fortbildung. "Ein Schutzkonzept berücksichtigt viele verschiedene Aspekte und Perspektiven", erläutert die pädagogische Referentin. Am Ende soll ein Strauß an Bausteinen zusammenkommen, die gemeinsam das Schutzkonzept ergeben. Dazu gehören etwa die Verankerung des Schutzes vor sexueller Gewalt im Leitbild der Einrichtung, oder auch ein Verhaltenskodex für Schüler und Mitarbeitenden, die Aufklärung über Kinderrechte, Partizipation, Fortbildungen für Lehrer und Eltern, Krisen- und Handlungsleitfäden, Präventionsangebote, und das Wissen, wer in der jeweiligen Einrichtung der Ansprechpartner für dieses Thema ist.

"Auch die Risikoanalyse spielt bei alledem eine Rolle - also: ermöglichen unübersichtliche Räume Übergriffe? Gibt es Situationen, die von Tätern oder Täterinnen ausgenutzt werden könnten?", sagt Freund-Schindler. Solche Fragen seien der Ausgangspunkt für Schutzvereinbarungen, die klar und verbindlich regelten, wie ein professioneller, grenzenachtender Umgang aussehen soll. Durch die Schutzvereinbarungen sollen nicht nur Kinder und Jugendliche vor sexuellem Missbrauch, sondern auch Mitarbeitende an der Schule vor falschen Anschuldigungen geschützt werden: "Sie stellen klar, welches Verhalten erwünscht ist und regeln den Umgang in Situationen mit besonderer Nähe für alle gleich. "

Gerade nach dem jüngst bekanntgewordenen Fall eines Würzburger Logopäden, der in Kitas Jungen missbraucht und kinderpornografische Aufnahmen gemacht haben soll, fragen sich viele: Was bringen all die Bemühungen der Einrichtungen? Kann ein Schutzkonzept Missbrauch verhindern? "Jein", sagt Freund-Schindler, denn: Dass es Täter gibt, die mit hoher krimineller Energie versuchten, ihre ehrenamtliche und berufliche Laufbahn so zu gestalten, dass sie Zugang zu Kindern erhalten, könne auch ein noch so gutes Schutzkonzept nicht verhindern. Aber Schutzkonzepte könnten es solchen Personen erschweren, sie erhöhen die Hemmschwelle, betont sie: "Sie zeigen: Wir schauen genau hin!"

Gleich mehrere Würzburger Schulen haben Mitarbeiter zur zweiten Ausbildungsrunde der Schulstiftung angemeldet - darunter auch das evangelische Dag-Hammarskjöld-Gymnasium. Schulleiter Hermann Berst sagt, seine Einrichtung befasse sich schon seit Jahren mit den Themen der Prävention, dem Verfahren bei einem sexuellen Übergriff sowie dem Verdacht auf Missbrauch.
Man habe hierzu bereits einen Krisenleitfaden für Verdachtsfälle eingeführt. "Die Themen sind wichtig und schwierig", sagt Gymnasial-Schulleiter Berst, es brauche deswegen in jeder Schule Personen, "die sich verbindlich damit auseinandersetzen und als allseits bekannte Ansprechpartner zur Verfügung stehen". Ein abgeschlossenes Schutzkonzept gebe es am Gymnasium derzeit noch nicht, "hier stehen wir noch am Anfang". Aber es gibt bereits ein Präventionsteam, dem Schüler, Eltern und Lehrkräfte angehören. Man habe einen Raumcheck gemacht: "Das ist mit Blick auf unseren Umbau besonders wichtig." So können nötige Veränderungen eingeplant und umgesetzt werden. Und bei den "Dienstagsimpulsen" werde nun jede Woche ein Kinderrecht vorgestellt, erläuterte Schulleiter Berst weiter. Dies sei ein guter Anlass, um mit den Kindern und Jugendlichen an der Schule ins Gespräch zu kommen: "Was sind meine Rechte? Und wo bekomme ich Unterstützung, wenn diese Rechte verletzt werden?"

 

Auch am Zentrum für Körperbehinderte beschäftigt man sich mit dem Thema - und zwar seit Jahren, wie Sandra Zeitz aus der Schulleitung betont. Die Ernennung von drei Präventionsbeauftragten und auch die Teilnahme an der Fortbildung der Schulstiftung seien nur ein weiterer von vielen Bausteinen. Man arbeite derzeit intensiv am Schutzkonzept, erste Leitplanken seien den verschiedenen Berufsgruppen sowie dem Elternbeirat bereits vorgestellt worden. Vorschläge seien zum Beispiel, das ganze nächste Schuljahr unter das Motto "Kinderrechte" zu stellen, einen für alle verbindlichen Verhaltenskodex einzuführen, einen Flyer zum Thema aufzulegen oder eine Beschwerdekultur zu etablieren.

"Sexualisierte Gewalt kann Schüler an allen Schulen betreffen - in der Schule, in der digitalen Welt oder im häuslichen Umfeld. Die gibt es überall. Das muss man sich eingestehen", erläutert Freund-Schindler. Ein erster Schritt sei, wenn Kollegen nicht mehr wegguckten, sondern Beobachtungen zu seltsamen Aussagen oder Verhaltensweisen direkt ansprechen. "Es muss eine Veränderung in der Haltung geben", betont die Referentin: "Wenn Schüler mit diesem Thema auf eine Lehrkraft zukommen, müssen sie ernst genommen werden und kompetente Unterstützung bekommen. Dazu braucht es Fortbildung und eine unterstützende Haltung der gesamten Organisation."

Diese Veränderungen bräuchten Zeit. Mitarbeiter, Eltern, Träger, Schüler, alle müssten "mitgenommen" werden, sagt Freund-Schindler. Die Teilnehmer der ersten Fortbildungsrunde, etwa die Fachakademie für Sozialpädagogik in Rummelsberg, die Mädchenrealschule auf der Hensoltshöhe Gunzenhausen, das Sonderpädagogische Förderzentrum Bad Windsheim oder auch die Evangelische Kooperative Gesamtschule Wilhelm-Löhe-Schule seien bereits auf diesem Weg - die Löhe-Schule wird am 16. Mai mit dem Präventionspreis der Schulstiftung geehrt. Sie habe die Denkanstöße aus der Fortbildung vorbildlich umgesetzt.

Lehrkräfte, Schulleitungen und Schulsozialarbeiterinnen Evangelischer Schulen haben an der zweiten Qualifizierungsmaßnahme zur/ zum Präventionsbeauftragten teilgenommen. Dr. Bernhard Petry, Christine Rudolf-Jilg (AMYNA) und Rita Freund-Schindler überreichten am 26. Juni 2019 den Absolventinnen und Absoventen das Zertifikat.

Qualifizierung von Präventionsbeauftragten für evangelische Schulen

Die AbsolventInnen der ersten Qualifizierung zu Präventionsbeauftragten, einer Fortbildung zur Entwicklung von Schutzkonzepten an Evangelischen Schulen in Bayern konnten am 20. April 2018 ihre Zertifikate in Empfang nehmen.

Der Vorstand der ESSBAY hat Fördermittel auch für den dritten Durchgang der Qualifizierungsmaßnahme zur Verfügung gestellt und die Wiederholung der Qualifikationsmaßnahme beschlossen.

Dies ermöglicht uns, eine sehr qualifizierte Maßnahme zu sehr günstigen Konditionen anbieten zu können. Wir freuen uns, hierfür erneut Frau Christine Rudolf-Jilg und Frau Anja Bawidaman von AMYNA e.V. München als Referentinnen gewonnen zu haben.

Evangelische Schulen können den Flyer bei s.pablitschko(a)essbay.de anfordern. Der Flyer steht aber auch hier zum Download zur Verfügung.

 

Folgende Termine sind geplant:

Modul 1: 14.-15.10.19

Modul 2: 11. 12.19

Modul 3: 10.03.20

Modul 4: 01.-02.07.20, alle im Caritas-Pirckheimer-Haus, Nürnberg

Prävention sexualisierter Gewalt an Evangelischen Schulen in Bayern

Den Trägern evangelischer Schulen ist es wichtig, unter dem Motto: "miteinander leben, lernen, glauben im Spielraum christlicher Freiheit" Kindern und Jugendlichen einen Lebensraum zu eröffnen, der ihnen ethische und geistliche Orientierung gibt und in dem sie vielfältige Kompetenzen entwickeln können. Um dieses Ziel zu erreichen, ist ein respektvoller und Grenzen achtender Umgang mit den Kindern und Jugendlichen besonders wichtig.

Deshalb setzen sich die Mitglieder des Stiftungsrates für den Schutz der ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen vor Grenzverletzungen, Übergriffen und körperlicher, seelischer und sexualisierter Gewalt ein.

 

 

Der Stiftungsrat empfiehlt den Trägern evangelischer Schulen, Schülerheimen und Internaten in Bayern die Implementierung

  • des Krisenleitfadens bei Verdacht auf sexuellen Missbrauch durch Personal gegenüber Kindern und Jugendlichen
  • des Handlungsleitfadens zum Vorgehen bei Verdacht auf sexuelle Übergriffe durch Kinder und Jugendliche
  • des Handlungsleitfadens zum Vorgehen bei Verdacht auf sexuellen Missbrauch und andere Formen der Kindeswohlgefährdung bei Kindern oder Jugendlichen

unter Berücksichtigung der zugehörigen Checkliste an ihren Schulen.


Der aktualisierten Krisen- und die Handlungsleitfäden sowie die zugehörige Checkliste zur Implementierung wurden allen Schulleitungen und Schulträgern mit Mail vom 27.06.2017 zugesandt.

Wir unterstützen Sie gerne auf Anfrage bei der Implementierung und mit Fortbildungsangeboten zu allen Aspekten der Prävention