05.07.2019

"SOS – per Lidschlag – SOS"

Siegfried Stoll, Dozent für Naturwissenschaft und Gesundheit sowie Pädagogik, Psychologie und Heilpädagogik an der Fachakademie für Sozialpädagogik der Stiftung Hensoltshöhe gGmbH in Gunzenhausen hat ein Schwerpunktthema: „Inklusion“! Sein Bruder Gerhard Stoll befindet sich seit 30 Jahren im „Locked-In-Syndrom“ (LIS).

Im März 1989 klagt er über heftige Kopfschmerzen. Eine Ärztin diagnostiziert ein Aneurysma im Gehirn, ein gefährlich verändertes Blutgefäß, das umgehend in der Universitätsklinik Marburg operiert wird. Die Ärzte retten das Leben des damals 21-Jährigen, doch sein Kleinhirn ist nachhaltig geschädigt. Das Aneurysma ist geplatzt, Blut ins Gehirn ausgetreten.

Nach fast zweieinhalbjährigem Aufenthalt auf einer Intensivstation hat Siegfried Stoll mit seiner Familie den Bruder im Jahr 1991 nach Hause geholt und realisiert seitdem ein inklusives Projekt.

Über die Situation hat Siegfried Stoll ein Praxisbuch zum Thema „Inklusion“ herausgegeben. In dem Buch sind Gespräche mit dem Bruder dokumentiert, in denen Gerhard Stoll über sein Leben berichtet – per Lidschlag, denn er kann selbst nicht sprechen…

Seine Versorgung zu Hause ist ein gelungenes Beispiel für aktive Teilhabe (Inklusion) am gesellschaftlichen Leben. Menschen in schwierigen Lebenssituationen sollen ermutigt werden, das Suchen und Finden von Erfreulichem nicht aufzugeben.

Der Hessische Rundfunk hat über Gerhard Stoll und sein Leben berichtet.

Hier der Link zu dem etwa 5-minütigen Film:

www.hessenschau.de/gesellschaft/mann-aus-mittelhessen-lebt-seit-30-jahren-mit-locked-in-syndrom,locked-in-syndrom-100.html

„… Das Buch ist ein Zeugnis für ein sinnvolles und trotz schwerster Behinderung, Beatmung und kompletter Pflegeabhängigkeit als lebenswert empfundenes Leben…“, so Prof. Dr. med. Andreas Zieger von der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg.

Es ist im kleingladenbach verlag erschienen, kostet 19,95€ und ist mit der ISBN: 978-3-9820102-0-5 in jeder Buchhandlung erhältlich.