31.07.2017

Wir in der EINEN Welt – Projekttag am Stetten-Institut Was haben Jeanshosen mit Wassermangel zu tun?

Projekttag am Stetten-Institut – nichts ist wie sonst: Schülerinnen der Q 11 sorgen für einen Pausenverkauf mit selbst belegten und fairen Häppchen, der gewohnte Gong ertönt kein einziges Mal, die Pausen finden zu ganz anderen Zeiten statt, und Unterricht im 45-Minuten-Takt? War gestern und ist morgen wieder. Heute beschäftigen sich die Schülerinnen je nach Altersstufe mit Themen wie Menschenrechten, internationalem Handel, Rüstungsexporten, Leben in Afrika und Flucht. „Der Vortrag des afghanischen Flüchtlings Farhad war das Highlight für mich. Ein Junge in unserem Alter erzählte auf humorvolle Weise in unserer Sprache von seiner Familie, seiner Flucht und seinem Leben hier in Deutschland.

Annalena Balder und Teresa Kögl (beide Q11) bedrucken Taschen vor dem Amnesty-International-Bus.

Elisabeth und andere Schülerinnen der R6a klebten Tüten aus Altpapier, womit in Indien Menschen ihren Lebensunterhalt verdienen.

Annalena Balder, Teresa Kögl, Pia Stender (Schülerinnen Q11) und Cynthia Byrne (Amnesty International), hinten stehend die AI-Mitarbeiter Francesca Canu, Pauline Haller und Hans Erdt.

Farhad aus Afghanistan berichtete von seiner Flucht.

Er hat das so lebendig gemacht, als ob man selbst dabei gewesen wäre“, schwärmt Pia, Schülerin der Q11 aus dem Stetten-Gymnasium.

Für den Projekttag Wir in der EINEN Welt waren einerseits externe Experten an der Schule zu Gast, wie etwa der junge Afghane Farhad oder Jacqueline Flory, die über ihr Projekt einer Zeltschule im Libanon berichtete, oder ein ganzes Team mitsamt Doppeldeckerbus von Amnesty International. Andererseits hatten Lehrer der Stettenschulen Simulationsspiele vorbereitet und Elftklässlerinnen boten Workshops für die fünften Klassen an, die den Wasserverbrauch spielerisch problematisierten. Für jede Klasse waren ein Vortrag, ein Workshop und ein Simulationsspiel vorgesehen.

 

„Ich fand diesen Tag riesig interessant. Von Amnesty International zum Beispiel hatte ich vorher schon mal gehört. Aber jetzt kann ich mir das genauer vorstellen, wie die arbeiten und was die alles machen“, berichtet Pia. Helene aus der neunten Klasse hätte gern mehr Zeit im und am Amnesty-Bus gehabt, um die Ausstellung im Bus anzusehen oder Taschen mit Amnesty-Symbolen zu bedrucken. Sie berichtete vom Globo-Spiel, in dem jede Schülerin 120 Millionen Menschen verkörperte und durch den Vergleich bestimmter Kriterien wie etwa der Lebenserwartung oder dem Einkommen enorme Unterschiede zwischen den Kontinenten festgestellt wurden: „Wir sollten dann gemeinsam über die Ursachen nachdenken. Ich fand diese Aktion sehr interessant, weil so verdeutlicht wird, wie gut es uns in Europa im Vergleich zu den meisten Menschen auf der Welt geht.“

Auch Helene fand den Vortrag des jungen Afghanen besonders beeindruckend. „Niemanden im Saal hat die Geschichte seiner Flucht aus Afghanistan kalt gelassen. Es war erstaunlich, wie er über seine, auch richtig gefährlichen, Erlebnisse lachen konnte. Wir vermuten aber, dass dies seine Strategie ist, damit umzugehen. Er hat auch von seinem Leben in Afghanistan erzählt und uns Bilder gezeigt. So haben wir gesehen, dass die Leute dort auch ganz normal leben und es atemberaubende Landschaften gibt, nicht nur zerbombte Städte und Straßenkinder. Als er seine Heimat verließ, war er so alt, wie wir jetzt sind. Das hat mich sehr berührt“.

Uta Nicolai, Lehrerin für Evangelische Religionslehre und eine der Koordinatorinnen des Projekttags, bewertet die Rückmeldungen von Schülerinnen und Lehrkräften zu diesem Tag sehr positiv. Und Schulleiterin Barbara Kummer betont, wie wichtig es ihr sei, den Schülerinnen mehr mitzugeben als den Lernstoff der Bildungspläne. „Ich finde, wir haben eine Verantwortung unseren Schülerinnen gegenüber, ihnen einen Blick über den Tellerrand zu ermöglichen. In einer globalisierten Welt, wo zum Beispiel Wasserarmut in Asien und die Produktion von Textilien für Europa zusammenhängen, müssen wir hinschauen und aufklären. Das betrifft auch die anderen Themen, die wir heute thematisch berührt haben: Hunger, Handel, Flucht oder Krieg“.

 

Das Stetten-Institut besteht aus einem Gymnasium mit sprachlicher und naturwissenschaftlich-technologischer Ausrichtung und einer Realschule unter einem Dach (Realschulzweige: Wirtschaft, Französisch, Kunst und Soziales). Die Schulen sind staatlich anerkannt und befinden sich in evangelisch-lutherischer Trägerschaft, verstehen sich aber ausdrücklich als offen für Schülerinnen aller Religionszugehörigkeiten. In Tradition ihrer Gründerin Anna Barbara von Stetten werden ausschließlich weibliche Schülerinnen aufgenommen. Heute besuchen rund 1.100 Mädchen und junge Frauen die beiden Schulen, die auf einem weitläufigen Grundstück in der Augsburger Innenstadt liegen. In verschiedenen Projekten können Mädchen an den beiden Schulen forschen, musizieren, debattieren oder Theater spielen. Für Rückfragen steht Barbara Kummer, Schulleiterin des A.B. von Stettenschen Instituts, Am Katzenstadel 18a, 86152 Augsburg gymnasium(at)stetten-institut.de gerne zur Verfügung.

 

Bildurheber: Angelika Lonnemann, Stetten-Institut Augsburg